Patriotismus Nein danke – Fußballfest Ja bitte!

Blogbeitrag von Lydia Rudow (Landessprecherin GJSH)

In den letzten Tagen wird eine hitzige Debatte zum Thema Patriotismus und Nationalstolz während der Fußball Europameisterschaft geführt. Aufreger war der seit 2010 beim Bundesverband der GRÜNEN JUGEND erhältliche Aufkleber “Patriotismus – Nein danke”.

Ich sehe das Thema ehrlich gesagt gelassen. Es ist richtig und wichtig, dass über das Thema Patriotismus kritisch diskutiert wird – und dies auch im Rahmen der EM. Ich wünsche mir jedoch eine sachliche Debatte anstatt gegenseitiger Beschuldigungen und hochkochender Emotionen.

Dabei möchte ich den Menschen keineswegs ihr Fußballfest wegnehmen – ich schaue mir ja selbst die Spiele der EM an. Und zwar mit Freunden, die für Dänemark, die Niederlande – oder eben auch für Deutschland die Daumen drücken. Beim Spiel am Sonntag habe ich mich sowohl bei den deutschen Treffern gefreut als auch gehofft, dass unser schleswig-holsteinischer Nachbar Dänemark eine Runde weiter kommt.

Problematisch wird es jedoch, wenn das positive “Wir-Gefühl”, das “Daumen-drücken” in negativen, sich selbst erhöhenden Nationalstolz oder diskriminierende Fremdenfeindlichkeit umschlägt. Solche Fälle gibt es leider immer wieder – und hier ist eine klare Positionierung gegen jegliche Form von Rassismus und Gewalt gefordert!

Hintergrund für die Diskussion ist die grundlegende Ablehnung von Nationalstaaten durch die GRÜNE JUGEND. Wir sehen Nationalstaaten als konstruierte Gebilde an, die künstlich Grenzen schaffen wo eigentlich keine sind. Man schaue sich nur die Geschichte Deutschlands an – sehr lange Zeit existierten viele kleinere Herzogtümer, der Zusammenschluss zu einem Königreich erfolgte vergleichsweise spät und im Laufe der Geschichte wurden die Grenzen durch Kriege immer wieder verschoben. Das, was wir heute als “Deutschland” bezeichnen, ist also keineswegs natürlich entstanden oder gar gottgegeben – sondern ist ein Resultat strategischer Überlegungen, militärischer Konflikte und politischen Verhandlungen. Wen man wann zum “deutschen Volk” hinzuzählte, war der jeweiligen politischen Stimmungslage geschuldet und keinen objektiven Kriterien (die es ja auch nicht gibt).

Aus der Erkenntnis, dass Nationalstaaten Konstrukte sind, folgt die Position der GRÜNEN JUGEND, dass wir solche Grenzziehungen ablehnen und langfristig die Überwindung der Nationalstaatlichkeit fordern. Daraus resultiert dann die folgerichtige Kritik am Konzept des Nationalstolzes und des Patriotismus. Nationalgefühl wollen wir deshalb kritisch hinterfragen – wobei uns natürlich bewusst ist, dass man Nationalstaaten nicht von heute auf morgen abschaffen wird.

Uns geht es daher bei der ganzen Debatte nicht darum, “Spielverderber_innen” zu sein, sondern wir wollen zum kritischen Nachdenken anstoßen. Das interkulturelle Miteinander und gemeinsame Feiern, das mit der Europameisterschaft einher geht, begrüße ich! Jedoch sollte sich jede_r in einem ruhigeren Moment einmal selbst fragen, was eigentlich diese Nation ist, die sie/er meint, anzufeuern.

 

Wir lehnen das Konzept der Nationalstaaten ab und treten vielmehr für ein grenzenloses Miteinander der Menschen ein. Daher sagen wir: “Patriotismus – Nein danke”. Aber sich gemeinsam und friedlich über gute Fußballspiele zu freuen – das geht klar!

17 Kommentare zu “Patriotismus Nein danke – Fußballfest Ja bitte!”

  1. Ica sagt:

    Hey,

    das “Wir-Gefühl” ist ein gutes. Denn wir haben eine bunte Mannschaft und es geht um Fußball.
    Nicht um Politik.
    Niemand sollte diskriminiert werden, wegen irgendwas, auch nicht, dass Deutsche stolz auf Ihre Jungs bei der EM sind (ich möchte die Grünen einmal bitten, sich die Mitgleider des EMKaders anzuschauen, um eben Rassismus oder sonstige Vorwürfe endlich zu vergessen)

    Fußball soll Spaß machen und ja da soll man fürs eigene Land sein.
    Man kann auch aus allem ein Problem machen um sich wichtig zu machen…

  2. Lydia sagt:

    Hey Ica,
    den ersten Satz von dir kann ich nur unterstreichen, ich finde das “Wir-Gefühl” auch positiv und freue mich über die bunte Mannschaft und den Sport an sich.
    Ich will auch niemanden diskriminieren, die Leute dürfen von mir aus stolz auf “ihr Land” sein. Wenn sie sich vorher mal damit auseinandergesetzt haben und das Thema mal kritisch diskutiert wird – umso besser! Es ging mir nicht darum, mich wichtig zu machen, sondern einfach nur meine Gedanken zu der Debatte beizusteuern.
    Dass wir diese Debatte führen, ist an sich schonmal cool.
    Aber nochmal: Es geht mir darum, Patriotismus und Nationalstolz zu hinterfragen und zu diskutieren, nicht die Fußball-Spiele.

    Im Übrigen hat Sport oft doch eine politische Komponenten – man denke beispielsweise an die aktuelle Debatte über Julia Timoschenko. Auch die olympischen Spiele in China waren ein Beleg dafür – auch wenn man sich die Menschenrechtssituation in China meiner Meinung nach noch kritischer hätte angucken können.
    LG

  3. Wolfgang Ausborn sagt:

    Ich kann es nicht glauben….
    Inzwischen bin ich 60 Jahre alt geworden,aber dass schockt mich schon.Ein Land freut sich – Menschen die in der Welt immer ein bischen ,mit Vorsicht angesehen wurden.Ich schreibe “WURDEN”.
    Denn Dank Weltmeisterschaft und EM hat die Welt gesehen, auch wir DEUTSCHEN sind Menschen die lachen können,die alle anderen Nationen in ihrem Land willkommen heißen,die einfach INternational denken und handeln.
    Ich gehe mal davon aus,dass die Aussagen weniger Grünen von den Meisten ihrer eigenen Partei abgelehnt werden.
    Ich kann nur laut rufen.”Macht weiter so-ihr Deutschen,ihr Niederländer,ihr Italiener und,und,und….!!!!!Nur so,wächst die Welt zusammen.

  4. Lydia sagt:

    Lieber Wolfgang,
    wie schon aus der Überschrift deutlich wird, freue ich mich auch über die Fußball-EM ;) .
    Darum geht es auch gar nicht. Es geht darum, ob es richtig ist, zwischen Deutschen, Italienern und Spaniern zu unterscheiden – oder ob Nationalstaaten und damit Patriotismus nicht eigentlich konstruierte Gebilde sind und wir uns nicht lieber als Weltbürger_innen fühlen sollten.
    Es geht mir nicht um Schuldgefühle und falsche Zurückhaltung – sondern um eine Debatte, die in der Wissenschaft schon lange geführt wird, nämlich darum, inwieweit die Idee der Nation ein Konstrukt aus dem 19. Jahrhundert ist. Das heißt nicht, dass ich gegen die Fußball-EM bin.!
    LG

  5. AR aus L sagt:

    Hey Lydia,

    ich denke das Thema in Verbindung mit Fußball bzw. der EM zu bringen halte ich für falsch. Es ist doch ein Fest der Völker wo wir unseren Deutschen Spielern zujubeln. Wir freuen uns wenn der Podolksi mit polnischen Wurzeln für uns ein Tor machen oder wenn wenn ein Özil gute Freistöße stößt. Auf den Fanmeilen feiern alle Deutschen und es ist egal welche Hautfarbe oder welcher Herkunft man hat. Ich kann beim besten Willen nicht nachvollziehen wie Ihr als Grünen da eine Angst vor einem falschen Patriotismus erkennen könnt.

    Liebe Grüße
    AR

  6. christian sagt:

    Guten Morgen,

    ich habe gestern den Fernsehbericht mit Tilman Schade gesehen. Wenn die Grüne Jugend keine anderen Probleme hat einen Zusammenhang zwischen Freude und O-TON: früher hat es auch so angefangen herzustellen dann fällt mir nichts mehr dazu ein. Damit muss ich ganz ehrlich sagen fühle ich mich selber verletzt, da ich auch mit einer Deutschlandfahne zu sehen bin und ich persönlich mit “früher” verglichen werde. Sie sollten sich anderen wichtigeren Dingen zuwenden. Es laufen sogar Mitbürger die aus anderen Ländern stammen mit Schwarz-Rot-Gold Fahnen durch die Gegend. Ich glaube die Politik hat sich manchmal zu wichtig und eine Sache noch: Erst denken dann reden.

  7. Maik Bode sagt:

    Kann es sein das ihr einfach Angst habt total unbedeutend zu sein/werden falls dieser “Kampf” gegen Nationalismus und somit natürlich der Kampf gegen Rechts entfällt? Als ich jung war (jetzt 50) hieß es bei dererlei “Problemen”-geh mal ficken Jung! Irgendwie habt ihr es geschaft aus keinem Problem wenigstens ein kleines zu machen. Herrgott, sucht euch endlich ne richtige Aufgabe und nicht solchen Blödsinn…
    Ich hab ne Fahne auf´m Auto, bin Patriot (natürlich konservativ :-) ), aber komischerweise kein Nazi, keiner der irgendwie verächtlich auf andere Nationen herab blickt, usw. Ich glaub es ist klar worauf ich hinaus will…
    Ich finde eure “Aktion” eher peinlich, kindlich und unausgegoren. Aber meinetwegen noch viel Spaß

  8. Philipp sagt:

    Ihr sprecht euch hier gegen etwas aus was den Deutschen im vergleich mit anderen Nation fehlt. In jedem anderen Land, mal mehr mal weniger, ist es völlig normal die verbundenheit mit seinem Land offen zu zeigen. Dass sich die Deutschen hier historisch bedingt schwer tun liegt auf der Hand. Allerdings hat Patriotismus nichts mit Nationalsozialismus zu tun und etwas mehr würde uns allen gut tun. Dass nun so eine Aktion gerade von der grünen Jungend insziniert wird, der Generation die über diesen Komplex eigentlich hinweg sein sollte ist echt bitter. Ich selbst stehe politisch nicht allzuweit entfernt von den Grünen (bei den meisten Themen jedenfalls), ihr jedoch seit die Art Leute in der Partei wesegen ich niemals auch nur ein Kreuz für die Partei machen werde.
    Abgesehen davon, dass eine Partei (gilt auch für eine Jugenorganisation wie ihr es seit) zur Zeit wichtigere Themen haben sollte wie den wenigen Deutschen in ihr Verhältniss zum Heimatland hineinzureden müsst ihr ja nicht hier leben. Wenn es euch stört dass es Leute gibt die gerne deutsch sind dann zieht doch einfach weg. Ich werde euch nicht vermissen!

  9. Peter sagt:

    eine dermaßen schlechte, destruktive Aktion habe ich selten gesehen. Nach Jahrzenten der Demut, der Unsicherheit mit der eigenen Identität als Folge der Weltkriege hatte man nach der WM 2006 endlich mal wieder ein gewisses Wir-Gefühl, ein Gefühl des Stolzes auf das eigene Heimatland.

    Was darann nun auszusetzen sei ist mir absolut unbegreiflich.

    Enttäuscht von der Aktion bin ich beinahe beschämt, in der Vergangenheit Grünen-Stammwähler gewesen zu sein.

    Aber das ist nun wie gesagt Vergangenheit.

    Peter F.

  10. töftenesser sagt:

    Ein Gedanke zum Thema Nationen und Grenzen.
    So nett der Gedanke von “grenzenloser” Freiheit (im doppelten Sinne) erst einmal erscheint, sehe ich einige grundlegende Probleme.
    Z.B. gelten Gesetzgebungen nur in einem reigonal abgegrenzten Raum. Wie könnte man wissen, in welchem Recht bzw. Rechtssystem man sich buchstäblich “befindet”. Würden nicht gesetzliche Grau-/ Übergangszonen entstehen?
    Außerdem glaube ich nicht, dass die Aufhebung von Grenzen dazu führen würde, dass jeder Mensch sich plözlich als Weltbürger definiert. Im Gegenteil, würden sich meiner Meinung nach und so wie es schon seit jeher geschieht Kommunen bilden, welche unter anderem auch auf gleicher regionaler Herkunft fußen könnten.
    Ich halte die deutsche Asylpolitik für schrecklich und befürworte weder Nationalismus, noch Patriotismus oder erhöhte Vorstellungen vom eigenen “Vaterland”. PFUI!
    Trotzdem halte ich den Gedanken, alle Grenzen aufzuheben und alle Menschen zu Weltbürgern auszubilden, für zu kurz gedacht.

    PS: Das sind alles nur (wahrscheinlich auch zu kurz gedachte) Gedanken und ich lasse mich gerne, sofern argumentativ begründet umstimmen. Greets, Töftenesser:)

  11. Anni sagt:

    Ich habe gerade “Hart aber fair” gesehen und kann es wirklich nicht fassen, dass ausgerechnet die junge Generation im “Fußball-Fan-Sein” eine Gefahr sieht. Denn nichts anderes ist es.

    Ich bin für eine Sportmannschaft und Sport ist in vielen Fällen nun mal ein Wettkampf mit Gewinnern und Verlierern. Ich bin FÜR die deutsche Nationalmannschaft und dann sollen verdammt noch mal die Italiener NICHT gewinnen. Das heißt doch aber noch lange nicht, dass ich Deutschland über alles stelle und mich für immer und ewig von anderen Ländern abgrenzen will. Herrje, es ist ein Spiel. Es ist Sport. Es geht gerade mal nicht um Politik! In der Bundesliga bin ich doch auch für meinen Verein und nicht für den, der am besten spielt (was ich schon als echt lächerliche Aussage von jungen Grünen gehört habe). Das gehört zum Fan sein dazu, aber davon haben einige anscheinend keine Ahnung. Hauptsache immer schön friedlich und alle zusammen und ohne Grenzen. So funktioniert Wettkampf aber nicht. Geht doch alle stricken, aber lasst uns die Freude am Fußball ohne verkrampfte politisch angeordnete Angstgefühle!

    Meiner Meinung nach haben die Grünen sich mit dieser Aktion keinen Gefallen getan. Es zeigt einfach nur, dass ihr keine Ahnung vom Sport habt und das liebe Leute ist verdammt uncool. Reflektierte und kritische Diskussionen sind ja schön und gut, aber jetzt ist der falsche Zeitpunkt dafür!!! Jetzt ist EM und jetzt muss unsere Mannschaft angefeuert werden und da darf man auch eine deutsche Fahne schwenken (so wie es alle anderen Nationen auch tun)!!

  12. Anni sagt:

    P.S.
    Um es noch mal deutlich zu sagen: Fans einen “blinden Hype von Nationalstaaten” (siehe Pressemitteilung) zu unterstellen, finde ich eine Frechheit! Ich hype die SPORTLER der deutschen Nationalmannschaft und keine Nation und so tun es auch 99% aller anderen. Die Minderheit, die die EM nutzt um braunes Gedankengut zu verbreiten wird sich kein Stück um eure alberen Aktion scheren und die, die fröhlich feiern wollen, fühlen sich vor den Kopf gestoßen. Denkt mal drüber nach….

    P.P.S. Ich finde diese Diskussion zum jetztigen Zeitpunkt alles andere als “cool”. Das war ein Eigentor! Ich habe mich gedanklich durch diese Aktion deutlich von den Grünen entfernt und viele anderen jungen Leuten geht es ähnlich!

  13. Babette sagt:

    Die Zeit der Gruenen sollte endgueltig vorbei sein. Wie dumm sind Deutsche, die so eine Partei auch noch waehlen. Die Gruenen werden vom deutschen Volk ernaehrt und zum Dank pinkeln ihre Zoeglinge auf die deutsche Fahne. So etwas saesse bei uns schon hinter Gittern. Armes Deutschland.

    http://p4.focus.de/img/gen/u/k/HBuk2SpH_Pxgen_r_300xA.jpg

  14. Horst sagt:

    Erschreckend,wie wir ( die Elterngeneration ) unsere Kinder durch Schule und Medien politisch verblöden lassen haben.
    Es wird dringend Zeit diesbezüglich tätig zu werden und die deutschfeindlichen Tendenzen der Grünen ,aber auch der anderen Parteien, explizit aufzuzeigen.

  15. Henrik sagt:

    Meine Freunde und ich feuerm unsere Fußballmannschaft an. Während der EM ist es die Deutsche Nationalmannschaft. Deshalb tragen wir auch die Symbole der Mannschaft, die schwarz-rot-gold sind. Das soll ich aber nicht mehr tun, weil es schlecht sein soll und Nationalismus hervorbringt. Während der Bundesliga feuern wir auch unsere Mannschaft an und tragen auch deren Symbole. Das machen wir genauso wie während der EM. Sind wir dann Stadt-Nationale?

    Meine NAchbarn haben an Ihrem Auto 2 Fahnen – eine deutsche Fahne und eine kroatische Fahne. Das sind die Allerschlimmsten. Die sind gleich doppelt national.

    Die Grünen machen sich gerade lächerlich.

  16. Philipp sagt:

    http://forum.spiegel.de/f22/patriotismus-debatte-darf-deutschland-europameister-werden-64579-23.html

    Um nur einmal ein Beispiel zu zahllosen Diskussionen im Internet zu nennen (Die Diskussion zum Artikel beachten)
    Wenn das mal keine gelungene Aktion war Ihr lieben Grünen

  17. dieter schultz sagt:

    Es ist armseelig, was hier die GRÜNEN (?) oder einige, die sich profilieren wollen, für einen Blödsinn reden!!!! Ihr müsst alles miesmachen. Es spielen Nationalmannschaften. Kapiert? Sollen wir da ne weisse Fahne schwenken??? Ne grüne Fahne`Ihr seid nicht ganz echt!!!

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