Unter dem Motto „still lovin‘ feminism“ ging am 8. März auch die Grüne Jugend Schleswig-Holstein beim Frauen*kampftag in Berlin auf die Straße.

Damit schlossen wir uns einem Protest an, der 1911 mit dem ersten Internationalen Frauentag seinen Anfang fand und jetzt wieder mit einer deutlichen Stimme spricht: Für ein selbstbestimmtes Leben. Für rechtliche, politische und wirtschaftlichDSC_0333e Gleichstellung. Für das Recht auf körperliche Unversehrtheit, sowie sexuelle Selbstbestimmung.

Mehr als 3000 Demonstrant*innen beteiligten sich an der Demonstration und zeigten damit deutlich, dass wir auch jetzt, etwa einem Jahrhundert nach der Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland, zwar wichtige Meilensteine erreicht haben, das Ziel sich jedoch noch immer in weiter Ferne befindet.

Leider sind in den letzten Jahren feministische Demonstrationen in der deutschen Öffentlichkeit eher untergegangen. Aufmerksamkeit wurde allenfalls Gruppierungen wie Femen zuteil. Und damit einer Form des Protestes, der in der feministischen Szene sehr kritisch gesehen wird. Der nackte Protest von Feminist*innen bekräftigt viel zu oft die Ressentiments des Sexismus: Frauen könnten nur durch ihren Körper gesellschaftliche Veränderungen erwirken. Es ist paradox, wenn die Jahrhunderte alte Degradierung der Frau auf ihr physisches Erscheinungsbild aufgegriffen wird, um es in Form eines öffentlichen Aufrufes zur Überwindung etablierter Geschlechterrollen zu instrumentalisieren. Trotz wahrscheinlich wohlgemeinter Intentionen schneidet man sich mit der Annahme, man täte etwas Fortschrittliches, indem man eine frauenhistorische Rückwärtsrolle hinlegt, ins eigene Fleisch. Es entsteht das Bild, dass niemand den Forderungen einer Frau zuhöre, wenn sie diese nicht „oben ohne“ äußere. So wird der Protest nicht ernst genommen, sondern wirkt auf all jene vielmehr erschreckend, die sich ernsthaft mit der alltäglichen Diskriminierung von Frauen* und den damit einhergehenden Forderungen vieler Feminist*innen auseinandersetzen wollen.

Aber welche Forderungen sind das? Pünktlich zum Internationalen Frauentag füllten sich auch die Kommentarspalten deutscher Zeitungen mit ebendieser Frage. Brauchen wir heute noch einen starken Feminismus? Zeit-Online ging derweil sogar so weit und fragte: Was will das Weib?

Zunächst will „das Weib“ nicht Weib genannt werden! Es geht um das Bekämpfen von redsc_0144aktionären, antiquierten Rollenbildern. Es geht um missbrauchte Machtverhältnisse und sexualisierte Gewalt. Weltweit. Am 8. März ging es auch um die internationale Solidarität mit Frauen* über die nationalen Grenzen hinweg. Um die Tatsache, dass weltweit eine von fünf Frauen im Laufe ihres Lebens Opfer einer Vergewaltigung wird. Dass in der Demokratischen Republik Kongo jeden Monat 1.100 Vergewaltigungen verzeichnet werden. Dass 80% der in Prostitution, Zwangsarbeit und Sklaverei gedrängten Menschen Frauen und Mädchen sind. Dass mehr als die Hälfte der Frauen mit Behinderung in Nordamerika, Europa und Australien Opfer von Gewaltakten sind.

Es ist zynisch hierbei die Frage zu stellen, ob wir noch einen Feminismus brauchen. Auch in Deutschland haben wir noch einen langen Weg vor uns. Der Grünen Jugend geht es um eine Gleichstellung von Frauen* und Männern. Dass diese defacto noch lange nicht erreicht ist, zeigen bereits kurze Schlaglichter in die familiäre, berufliche und politische Wirklichkeit.

Wieso ist die sog. „Pille danach“ rezeptpflichtig und damit eine Beratung durch eine* Ärztin* erforderlich? Es ist Teil der körperlichen Selbstbestimmung einer jeden Frau, diese Entscheidung eigenständig zu fällen. Frauen sind in vielen gesellschaftlichen Bereichen weiterhin unterrepräsentiert. Ob als Hochschulprofessorinnen oder in den Chefredaktionen deutscher Zeitungen. Ob in der Politik oder in Unternehmen. Frauen werden auch heute noch in Rollen gedrängt und mit konstruierten Schönheitsbildern gefügig gemacht. Sätze, wie „naja, wenn die sich auch so anzieht!“ bestimmen die Stammtische deutscher Eckkneipen und Sitzungssäle – It’s a dress, not a yes!

Der Frauen*kampftag am 8. März 2014 wurde von einem breiten Bündnis organisiert und hat gezeigt, dass Feminismus immer noch die Kraft und Relevanz hat, verkrustete Strukturen aufzubrechen und für Frauen*rechte weltweit einzustehen, That’s why we’re still lovin‘ feminism!
Lasse Petersdotter und Kaja Kröger