Patriotismus Nein danke – Fußballfest Ja bitte!

Blogbeitrag von Lydia Rudow (Landessprecherin GJSH)

In den letzten Tagen wird eine hitzige Debatte zum Thema Patriotismus und Nationalstolz während der Fußball Europameisterschaft geführt. Aufreger war der seit 2010 beim Bundesverband der GRÜNEN JUGEND erhältliche Aufkleber “Patriotismus – Nein danke”.

Ich sehe das Thema ehrlich gesagt gelassen. Es ist richtig und wichtig, dass über das Thema Patriotismus kritisch diskutiert wird – und dies auch im Rahmen der EM. Ich wünsche mir jedoch eine sachliche Debatte anstatt gegenseitiger Beschuldigungen und hochkochender Emotionen.

Dabei möchte ich den Menschen keineswegs ihr Fußballfest wegnehmen – ich schaue mir ja selbst die Spiele der EM an. Und zwar mit Freunden, die für Dänemark, die Niederlande – oder eben auch für Deutschland die Daumen drücken. Beim Spiel am Sonntag habe ich mich sowohl bei den deutschen Treffern gefreut als auch gehofft, dass unser schleswig-holsteinischer Nachbar Dänemark eine Runde weiter kommt.

Problematisch wird es jedoch, wenn das positive “Wir-Gefühl”, das “Daumen-drücken” in negativen, sich selbst erhöhenden Nationalstolz oder diskriminierende Fremdenfeindlichkeit umschlägt. Solche Fälle gibt es leider immer wieder – und hier ist eine klare Positionierung gegen jegliche Form von Rassismus und Gewalt gefordert!

Hintergrund für die Diskussion ist die grundlegende Ablehnung von Nationalstaaten durch die GRÜNE JUGEND. Wir sehen Nationalstaaten als konstruierte Gebilde an, die künstlich Grenzen schaffen wo eigentlich keine sind. Man schaue sich nur die Geschichte Deutschlands an – sehr lange Zeit Weiterlesen »

Erstellt am Montag 18. Juni 2012
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Pressemitteilung zur EM und dem Partypatriotismus

Anlässlich der Fussball-EM in Polen und der Ukraine und dem exzessiven Deutschlandhype in Schleswig-Holstein erklärt Tilmann Schade, Sprecher der Grünen Jugend SH:

“Nach dem Sieg der deutschen Nationalmanschaft waren in ganz Deutschland “Sieg” rufe zu vernehmen. Autos fuhren durch die Städte und feierten den Sieg mit einem Hupkonzert.
Es ist erschreckend zu sehen, dass durch die Fussball-EM keine differenzierte Auseinandersetzung mit Patriotismus und Nationalismus statt findet, sondern ein blinder Hype von Nationalstaaten. Dieses zeigt deutlich, dass Fussball alles andere als unpolitisch ist. Seien es die Menschenrechtsverletzungen in der Ukraine oder der Partypatriotismus in den einzelnen Ländern.

Momentan werden Staaten glorifiziert, ein Stolz auf ganze Nationen forciert. Die notwendige Abgrenzung gegenüber Menschen anderer Nationalitäten, die damit einher geht, öffnet den unterschiedlichen Formen des Rassismus Tor und Tür, besonders unterschwelligen Ressentiments.
Die oft beschworene Trennung zwischen einem “guten” Patriotismus und dem “bösen” Nationalismus ist nicht möglich. Immer wenn ein Vaterlandsbezug geschaffen wird, bedeutet das die Ausgrenzung von Andersdenkenen und Menschen, die nicht in dieses subjektive “Wir” passen.
Die Grüne Jugend SH setzt sich für die Überwindung von Nationalismus und Patriotismus ein. Wir wollen eine offene und tolerante Gesellschaft, die nicht an irgendwelchen zufälligen Grenzen aufhört. Für uns ist und bleibt das Ziel die komplette Überwindung von Nationalstaaten. Nur so ist eine gerechte und solidarische Welt möglich.”

Erstellt am Freitag 15. Juni 2012
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