Bildung ist ein Menschenrecht. Der gleichberechtigte, durchlässige Zugang zum Bildungssystem ist Grundvoraussetzung für soziale Mobilität und Chancengleichheit. Studien belegen, dass bereits in der frühkindlichen Bildung die Weichen für einen erfolgreichen Bildungsweg gestellt werden. Die Kindertagesstätten sind keine Betreuungs- sondern Bildungsinstitutionen und müssen in ihrer Bedeutung endlich vollwertig anerkennt werden. Wir befürworten die binnendifferenzierende Gemeinschaftsschule als Schleswig-Holstein weite Schulform und wünschen uns im staatlichen Bildungssystem mehr Mut zur Anwendung reformpädagogischer Ansätze.

Der Themenbereich Bildung nimmt in der Gesellschaft einen sehr wichtigen Stellenwert ein. Durch die letzten beiden Landesregierungen wurde ein Bildungschaos verursacht, dass das gute Lernen in SH vehement erschwert hat.Nun müssen aus einer konstruktiven Ruhe heraus gemeinsam zukunftsfähige Konzepte entwickelt werden.

Grundlage für ein gerechtes Bildungssystem ist nach Auffassung der Grünen Jugend Schleswig-Holstein eine Barrierefreiheit aller Bildungsangebote. Jeder Mensch hat ein Grundrecht auf Bildung und dieses darf nicht durch Schranken irgendeiner Form behindert werden. Die Grüne Jugend Schleswig- Holstein setzt sich für eine kostenlose Bildung auf allen Ebenen ein – die Bildung darf nicht vom eigenen Geldbeutel abhängen. Hierzu gehört auch die Kostenübernahme von Fahrtkosten zum Bildungsort (in angemessener Entfernung) in jedem Abschnitt des Bildungsweges im ÖPNV.

Frühkindliche Bildung

In der vorschulischen frühkindlichen Bildung sieht die Grüne Jugend Schleswig-Holstein die große Möglichkeit in den Kindern den Entdecker_in-Instinkt auszulösen. Kinder sollen sich selbst die Themen suchen und durch selbstbestimmtes, freiheitliches Lernen ihrer Neugier nachgehen können und sich ohne Leistungsdruck mit den Themen auseinandersetzten.

Neben der ersten Bildung ist besonders die Förderung des Verhaltens der Kinder in ihrem sozialen Umfeld eine Kernaufgabe der frühkindlichen Bildung. Das “Miteinander” gestalten und leben muss hier erlernt werden. Die Grüne Jugend Schleswig-Holstein setzt sich daher für eine Ausweitung der Schulpflicht um ein Jahr auf das letzte KiTa-Jahr ein. Es ist wichtig, dass Kinder bereits vor dem Eintritt in die Schule, die im Moment lediglich leistungsorientiert arbeitet, in einer freieren Umgebung die Spielregeln des Umgangs miteinander lernen.

Diese Grundsätze bedürfen einer Lenkung durch genügend Betreuer_innen, die neben einer fairen Bezahlung auch in einer guten, ausgebauten Umgebung arbeiten können. Um die Qualität zu sichern und gleichzeitig allen den Zugang zur KiTa zu ermöglichen, sprechen wir uns für eine Sozialstaffelung der Beiträge aus. Langfristiges Ziel der Grünen Jugend Schleswig-Holstein ist es jedoch, eine kostenfreie KiTa zu schaffen.

Schule

Die Grüne Jugend Schleswig-Holstein setzt sich für ein radikales Umdenken im „Raum Schule“ ein. Wir fordern, dass aus dem strukturkonservativen Lernraum ein neuer Lebensraum für die Schüler_innen wird, der zu einem großen Maße von den Schüler_innen selbstgestaltet ist. Wir fordern die Auflösung des „klassischen“ Klassenkonzepts und setzten uns für selbstbestimmte Lerngruppen ein, die innerhalb eines Themenkanons ihre Lerninhalte weitgehend selbstbestimmen. Die Lehrer_innen übernehmen in diesem System eine Rolle als Lernbegleiter_innen, die unterstützen und helfen, sollte es zu Problemen kommen. In Hinblick auf Überbevölkerung, Rohstoffmangel oder Klimawandel muss die Bildung für nachhaltige Entwicklung zum Schwerpunktthema der Lehrpläne werden. Bildung für nachhaltige Entwicklung darf nicht weiterhin nur eine gutklingende Phrase sein, sondern muss endlich konkret umgesetzt werden –wie es schon die Agenda 21 der Vereinten Nationen 1992 forderte.In diesem Kontext lehnen wir die Bewertung von Schüler_innen ausschließlich mit Schulnoten ab, da diese in ihrer aktuellen Form nicht ausreichend differenziert sind und keine tiefergehende Kritik äußern. Stattdessen fordern wir in der Grundschule eine schriftliche Bewertung der Schüler_innen durch die Lehrer_innen. In der Sekundarstufe fordern wir eine Bewertung, die sich aus Noten, welche nur fachliche Leistung widerspiegeln, und einer schriftlichen Bewertung zusammensetzt. Die Noten sollen in allen Klassenstufen in dem aus der gymnasialen Oberstufe bekannten „15-Punkte-System“ dargestellt werden. Die schriftliche Bewertung beinhaltet einerseits für jedes Fach einen Kommentar zum Lernverhalten und einen Kommentar zum Sozialverhalten allgemein.

Doch sehen wir in diesen kurz umrissenen Ideen ein Ziel, dass mit vielen kleinen Einzelschritten erreicht werden kann. Der nächste, dringend notwendige Schritt in der Bildungspolitik in Schleswig-Holstein ist die Einführung eines „Runden Tisches“ nach Bremer Vorbild, wo von allen Interessensvertretern und Parteien sich zusammenfinden um ein Tragfähiges und durch die breite Masse getragenes Bildungskonzept für die nächsten 10-15 Jahre zu entwickeln. Es ist ein sehr großes Problem in der Bildungspolitik, dass keine Stetigkeit herrscht, sondern eine Reform die nächste jagt – zum Leidwesen der Schüler_innen und Lehrer_innen. An diesem Tisch müssen die bilddungssystematischen und finanziellen Fragen fest verabredet werden, dass sie länger als eine Legislaturperiode Bestand haben.

Die Grüne Jugend Schleswig-Holstein setzt sich als ersten Schritt des längeren gemeinsamen Lernens für eine 6-jährige Grundschule ein, die mehr Freiraum für die Schüler_innen gibt sich zu entwickeln. Dieser Schritt ist eine wichtige Forderung, die in den Aufgabenbereich des Runden Tisches gehört.

Das Thema demokratische Schule / schulinterne Demokratie ist jedoch ein Thema, an dem einige Stellschrauben sehr schnell bewegt werden können. Wir fordern auf der schulinternen Ebene die Schülerinnen und Schüler in allen Gremien zu beteiligen, im Moment ist es Sache der Schule diese Beteiligungsmöglichkeiten zu ge- oder verwehren. Dieses soll durch entsprechende Gesetzeslage verändert werden. Auch fordern wir der Landesschüler_innenvertretung einen festen Platz im Bildungsausschuss des Landtages einzuräumen und ihnen dadurch mehr Mitspracherechte zu gewähren. Dieses muss auch auf Kreisebene weiterverfolgt werden.

Die Kürzungen im Bildungsbereich waren fatal. Das Ergebnis sind marode Schulen, zu wenig Kitaplätze und Hochschulen, die aus allen Nähten platzen. Um dies zu ändern, muss der Bund sich stärker an den Bildungsausgaben beteiligen, bspw. Durch das Abschaffen vom Kooperationsverbot. Auf Landesebene lehnen wir jede Kürzung im Bildungssystem ab.

Freie Schulen

Die Grüne Jugend Schleswig-Holstein sieht eine große Möglichkeit der Bereicherung der Bildungslandschaft in Schleswig-Holstein durch Schulen in freier Trägerschaft. In Schleswig-Holstein haben freie Schulen nur einen sehr geringen Anteil an der Gesamtzahl der Schulen, doch sie stellen einen sehr wichtigen Motor für neue Bildungskonzepte im Land dar.

Jedoch werden freie Schulen nur zu 80% vom Staat unterstützt, wobei der zu Grunde liegende Schüler_innenkostensatz veraltet und nicht nachvollziehbar ist – es mangelt an Transparenz seitens des Kultusministeriums. Ferner müssen freie Schulen sich für die ersten 3 Jahre komplett selbst finanzieren und bekommen lediglich ein Jahr der Finanzierung erstattet. 2 Jahre müssen selbst getragen werden, die Kosten belasten die Schulen als Kredite längerfristig.

Die Grüne Jugend Schleswig-Holstein fordert die gleichberechtigte Finanzierung der freien Schulen mit 100% auf Grundlage eines transparent errechneten Schüler_innenkostensatzes. Auch ist eine volle Rückzahlung der Anfangsfinanzierung notwendig, um den Schulen die volle Ausgestaltung ihrer neuen pädagogischen Ansätze zu ermöglichen.

Angebot außerhalb des Lehrplans

Wir fordern die Einbindung von (Sport-)Vereinen in den Schulalltag, denn die Vereine verzeichnen einen starken Rückgang in ihrer Mitgliederzahlen, vor allem hervorgerufen durch die immer steigende Leistungsanforderung an die jungen Menschen. Die Vereine sollen weiterhin Trainer_innen stellen, jedoch soll dieses Angebot in den Schulalltag integriert werden.

Auch im kulturellen Bereich bieten sich diese Kooperationen mit Musikschulen oder Theatergruppen an. Es kann durch eine gemeinsame Arbeit und gemeinsame Ressourcennutzung das Angebot der Bildungseinrichtungen erweitert werden und besonders durch internationale Kooperationen der Horizont geweitet werden.

Wir wollen offene Bibliotheken für alle Jahrgänge, um jedem Kind den Zugang zu Büchern und anderen Medien zu verschaffen. In diesem Rahmen sollte es Seminare zum Thema Umgang mit den neuen Medien und sozialen Netzwerken geben, die für alle Bibliotheksbesucher_innen einmal im Halbjahr verpflichtend sind. Dieses sollte mit gemeinsamen Treffpunkten für die Schüler_innen wie z.B. Schüler_innencaffes gekoppelt werden, dass die Möglichkeit zum Austausch und zusammen sein gestärkt wird.

Zudem soll es schulinterne Nachhilfeangebote geben, beispielsweise von älteren Schüler_innen für Jüngere, um auch sozialschwächeren Kindern eine gute und günstige Unterstützung anzubieten. Damit überteuerte Nachhilfeagenturen keine Chance mehr haben. Deswegen ist eine kostenlose Hausaufgabenbetreuung, gerade für Jüngere dringend notwendig.

Politische Bildung und Dritte in Bildungseinrichtungen

Die Grüne Jugend Schleswig-Holstein begrüßt den Ausbau von politischen Veranstaltungen an Bildungseinrichtungen. Wir sehen es allerdings als unerlässlich allen sechs im Schleswig-Holsteinischen Landtag vertretenden Parteien hier die gleiche Möglichkeit zur Präsentation ihrer Standpunkte zu geben. Dieses ist in unseren Augen ein wichtiger Teil der politischen Bildung. Den Wahlkampf an Schulen lehnen wir jedoch konsequent ab.

Wir sehen in der Einbindung von Dritten, wie zum Beispiel Unternehmen aus der Wirtschaft, Vereinenoder auch öffentlicher Arbeitgebereine Bereicherung des Schulalltages. Es ist jedoch sehr wichtig, dass diese Besuche nicht unreflektiert als Unterrichtsersatz genutzt werden, sondern sie müssen kritisch hinterfragt, sowie vor- und nachbereitet werden. Außerdem muss allen gleichermaßen die Möglichkeit gegeben werden, sich vorzustellen. Die einseitige Bewerbung der Bundeswehr lehnen wir prinzipiell ab.

Die Bundeswehr gehört unserer Meinung nach nicht an die Schulen, die sie dem Friedensgedanken, der durch Schulen vermittelt werden soll, grundlegend widerspricht. Kriegsspiele und Schule gehören nicht zusammen – genau wie Planspiele, wo Schulklassen zur Teilnahme gezwungen werden. Solche Sachen dürfen nicht vorkommen. Die Grüne Jugend SH setzt sich für eine neutrale Befassung mit dem Themenkomplex Bundeswehr und Armeen im Wirtschafts- und Politikunterricht ein.

Ausbildung

Die Grüne Jugend Schleswig-Holstein setzt sich für ein Recht auf einen Ausbildungsplatz und eine qualitativ hochwertige Ausbildung ein. Wir sehen es als Pflicht des Staates und der Gesellschaft allen Menschen, die die Schule beenden einen adäquaten weiteren Bildungsweg zu ermöglichen. In diesem Zuge sehen wir das Recht auf einen Ausbildungsplatz als einen Teil des Grundrechts auf Bildung an.

Gleichzeitig hält die Grüne Jugend Schleswig-Holstein an dem Dualen System der Berufsausbildung fest. Doch sehen wir in der momentanen Struktur der Berufsschulen nur einen Ansatz. Sie müssen neben theoretischen Grundlagen, die für die Ausbildung benötigt werden auch die Aufgabe der Weiterbildung erfüllen und den eigenen Schulabschluss ergänzen. Wichtiger Schritt ist die Vernetzung der Berufsbildenden Institutionen mit den Allgemeinbildenden, da hier Überschneidungsbereiche genutzt werden könne um beide Akteur_innen zu stärken.

Hochschule

Die Grüne Jugend Schleswig-Holstein steht für eine Autonomie der Universitäten im Lande. Nur auf diese Art und Weise kann sich eine produktive wissenschaftliche Arbeit im Land voll entfalten. Es bedarf hier keinem Vorschreiben von Details auf Landesebene, das können die Universitäten selbst leisten. Vom Land müssen lediglich Dinge wie generelle Curricullae vorgegeben werden, um die Qualität von Hochschulen im Land zu sichern. Weiterhin ist es wichtig, dass sich ein selbstbestimmtes Studieren an den Fakultäten etabliert. Es ist essenziell, dass Studierende selbstständig ihre Aufgaben erkennen und auch lösen. Auf diese Art und Weise ist der Lernerfolg um einiges größer, als wenn sämtliche Inhalte durch einen Vortrag vorgegeben werden.

Im Bereich der Lehrer_innenausbildung bedarf es dringend Reformen. Die Ausbildung von Realschullehrer_innen muss endlich gestoppt werden und stattdessen muss die Lehrer_innenausbildung an das jetzt bestehende Schulsystem in Schleswig-Holstein angepasst werden.

Darüber hinaus stehen wir als Grüne Jugend Schleswig-Holstein für das kostenfreie Studieren. Wir lehnen jede Form von Studiengebühren ab, sei es im laufenden Studium, oder gar nachgelagerte Studiengebühren. Bildung ist für uns ein kostenloses Gut, zu dem alle Menschen der Gesellschaft im gleichen Maße Zugang haben müssen, ganz gleich ihrer sozialen Herkunft.

Das Land Schleswig-Holstein hat sich in eine sehr missliche Lage gebracht. Das Land hat weniger Studienplätze, als es Schulabgänger_innen hat – dazu kommen diverse Doppeljahrgänge und der Wegfall des Wehrdienstes, sodass mit einem großen Andrang an die Universitäten im Land zu rechnen ist. Diesem gilt es schnell zu begegnen durch das Schaffen neuer Studienplätze – darüber hinaus dürfen Fragen wie Wohnungen für die Studierenden nicht außer Acht gelassen werden.

Die Grüne Jugend Schleswig-Holstein fordert eine Alternative zu dem umständlichen, ungerechten und bürokratischen BAföG. Wir sehen im dänischen Modell des SU eine gute Alternative. Es wird elternunabhängig an alle Studierenden und Schüler über 18 bezahlt und ermöglicht so eine schnelles und zielgerichtetes Studium. Im Gegenzug sehen wir eine Bildungsabgabe als eine gute Möglichkeit zur Gegenfinanzierung.

Außerschulische Bildung

Der Bereich der Außerschulischen Bildung hängt für die Grüne Jugend Schleswig-Holstein mit zwei wichtigen Akteur_innen zusammen. Zum einen sind es die Arbeitnehmer_innen, die ihre Angestellten weiterbilden, zum anderen die Volkshochschulen die über die eine persönliche Weiterbildung in den verschiedensten Disziplinen erfolgt. Diese möchten wir weiter fördern, gleichzeitig sie aber auch in die Pflicht nehmen, sich mit anderen Bildungsinstitutionen besser zu vernetzen. Gemeinsame Strukturen und Angebote können für alle Akteur_innen gewinnbringend sein und müssen verstärkt gefördert werden.

Mobilität im Bildungssektor

Die Grüne Jugend Schleswig-Holstein fordert neue Konzepte für die Anfahrtswege zu Schulen. In Kooperation mit dem ÖPNV und der öffentlichen Hand müssen Mobilitätspläne erarbeitet werden, so dass Kinder von umliegenden Dörfern schneller und günstig zur Schule/KiTa kommen können. In diesen Kontext gehört der Ausbau von Rad- und Fußwegen. Auch die Bildungseinrichtungen müssen durch entsprechende Fahrradstellplätze u.Ä. die Konzepte unterstützen.

 

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